Gefahr für Frauenknochen häufig zu spät erkannt - [23.08.2004]

München (ots) - Neue Studie ergab: Das Osteoporose-Risiko wird oft übersehen oder einfach ignoriert / Selbst nach dem ersten Bruch keine fachgerechte Behandlung
Schon die Vorstellung lässt einen erschaudern: Alle 30 Sekunden bricht sich jemand in Europa einen Knochen als Folge einer Osteoporose. Mal ist es der Arm, oft die Hüfte, besonders häufig das Knochengerüst eines Rückenwirbels. Frauen über 50 sind besonders häufig die Leidtragenden. Knochenschwund gilt für die Weltgesundheitsorganisation bereits als das zweitschwerste Gesundheitsproblem überhaupt, nur noch übertroffen von den Herz-Kreislauf-Krankheiten. Das Risiko wird aber oft erst erkannt, wenn es bereits gekracht hat und selbst dann erhalten viele Betroffene keine adäquate Behandlung. Das ist das bestürzende Ergebnis der neuen Umfrage der Internationalen Osteoporosestiftung (IOF) bei 1.683 Frauen in neun europäischen Ländern, die jetzt anlässlich eines Mediziner-Kongresses in Nizza vorgestellt wurde.
Die Gefahr des Knochenschwunds wächst besonders dramatisch nach der Lebensmitte. Die von der IOF und dem Europäischen Institut für Frauengesundheit (EIWH) gemeinsam durchgeführte Studie richtete sich deshalb an Frauen von 50 Jahren und älter. Aus Deutschland waren 199 Frauen beteiligt.
Viele der befragten Frauen erwiesen sich als ahnungslos über ihr wachsendes Risiko: Gerade mal 28 Prozent waren sich im Klaren darüber, dass sie durch einen Osteoporosebedingten Knochenbruch für immer behindert bleiben könnten. Dass die Krankheit sogar zum Tod führen kann, wussten nur zwei Prozent. Dabei droht dieses Schicksal nach einem Schenkelhalsbruch in zwölf bis 20 Prozent der Fälle.
Mängel zeigte die Umfrage aber auch in der ärztlichen Versorgung: Nur bei einem Viertel der Frauen wurde die Knochendichte gemessen. Das Thema Osteoporose kam in der Arztpraxis nur bei 42 Prozent der Frauen zur Sprache. Obwohl jede zehnte Frau seit ihrem 50. Geburtstag mindestens einmal einen Knochenbruch erlitten hat, wurde selbst nach mehreren Brüchen nur ein Viertel der Betroffenen mit einem Medikament gegen Osteoporose versorgt. "Dabei könnte bei adäquater Frühdiagnostik und einer spezifischen medikamentösen Behandlung der Mehrzahl der Frauen dieser Krankheitsverlauf erspart werden", betonte der Bad Pyrmonter Osteoporose-Experte Professor Dr. Helmut Minne, Vorstandsmitglied der IOF, bei der Präsentation der Ergebnisse.
Zur effektiven Behandlung einer Osteoporose stehen heute die modernen Bisphosphonate zur Verfügung, mit denen sich das Risiko schmerzhafter Wirbelbrüche in klinischen Studien schon nach nur einem Jahr um mehr als 50 Prozent reduzieren ließ. In der längsten bisher zur Osteoporose-Behandlung durchgeführten internationalen Studie wurde die gute Wirkung des Bisphonates von Alendronat sogar über zehn Jahre hinweg wissenschaftlich belegt.
"Im Hinblick auf Frühdiagnostik und Therapie ist die Bundesrepublik im Vergleich zu allen übrigen westeuropäischen Ländern Schlusslicht", bedauerte Professor Helmut Minne. "In Deutschland erhält allenfalls jeder fünfte Patient überhaupt eine Therapie und weniger als zehn Prozent werden systematisch behandelt. Hier spielt vermutlich vor allem die Sorge, das Verordnungsbudget für Medikamente zu überschreiten, eine Rolle. Auch die Ergebnisse der neuen Umfrage zeigen die große Herausforderung an die Ärzte, Osteoporose besser zu diagnostizieren und zu behandeln", resümierte der international angesehene Experte.
Quelle: Stroebel Communications GmbH & Co KG
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